Walter Isaacson: Steve Jobs, 2011, 700 S.
Dass es "die autorisierte Biografie" ist, nimmt aus meiner Sicht der Lektüre etwas von ihrem Reiz. Das Lob überwiegt zu stark. Zum Inhalt des Buches kann man das Wichtigste den Wikipediaartikeln zu Buch und Leben entnehmen.
Zitate:
Publicityfeuerwerk
Im Laufe der Jahre wurde Steve Jobs zum Großmeister der Produkteinführung. [...] Jobs schaffte es jedes Mal, ein ein wahres Publicityfeuerwerk zu entzünden, das eine Art Kettenreaktion auslöste. Angefangen bei Macintosh im Jahr 1984 bis zum iPad im Jahr 2010 wiederholte sich das Spektakel in schöner Regelmäßigkeit. Ein um das andere Mal führte Jobs wie ein Zauberer seine Kunststücke vor, und die Journalisten fielen allesamt darauf rein, selbst wenn sie die Tricks schon unzählige Male gesehen hatten, und wussten, wie sie funktionierten. [... Er verfügte] über ein intuitives Gespür, wie man Sensationslust und Konkurrenzdenken unter Journalisten anheizte und exklusiven Zugang zur Informationen gegen großzügige Berichterstattung tauschte. (S.197)
Gates und Jobs: Wenn sich Umlaufbahn kreuzen
In der Astronomie spricht man von einem Doppelstern oder Binärsystem, .wenn sich die Umlaufbahn von zwei Sternen wegen der wechselseitigen Anziehung kreuzen [...].
Gates und Steve Jobs mochten ähnliche Ziele hinsichtlich der / kommerziellen Verwertung von Technik verfolgen, aber ihre Persönlichkeiten hätten kaum unterschiedlicher sein können, und auch ihr Background hatte nicht viel miteinander gemein. [...]
'Jeder von ihnen hielt sich für den Klügeren. Aber Steve behandelte Gates im Allgemeinen, als wäre er nicht ganz ernst zu nehmen, besonders was Geschmacks- und Stilfragen angeht', sagte Andy Hertzfeld. 'Bill wiederum schaute auf Steve herab, weil er nicht richtig programmieren konnte.' Von Anfang an war Gates von Jobs fasziniert, beneidete ihn um seine hypnotische Wirkung auf andere. Gleichzeitig fand er ihn 'äußerst selbstsam' und 'menschlich gesehen, ziemlich übel', Jobs' Unhöflichkeit war ihm ebenso zuwider wie dessen Neigung 'einen /entweder wie einen Volltrottel zu behandeln oder sich anzubiedern'. Umgekehrt fand Jobs Gates enervierend engstirnig. [...]
30 Jahre später zollte Gates Jobs widerwillig Respekt. 'Von Technik hatte er nie viel Ahnung, aber er hat einen unglaubliches Gespür für das, was man machen und erreichen kann', sagte er. Jobs ließ keine entsprechende Anerkennung von Gates Stärken verlauten. 'Bill hat keinerlei Fantasie und hat nie etwas erfunden, weshalb er sich jetzt wahrscheinlich auch lieber auf dem Gebiet der Philanthropie als auf dem der Technologie herumtreibt', beschied Jobs hämisch. 'Er hat schamlos die Ideen anderer Leute geklaut.' (S.206/207)
"Zu dieser Zeit war Jobs längst König und Gates noch Lakai: 1984 belief sich der Jahresumsatz von Apple auf 1,5 Milliarden Dollar gegenüber 100 Millionen bei Microsoft."
(S.208)
"Bald wusste beinah ganz Silicon Valley, dass Jobs heimlich, still und leise an Amelios Stuhl sägte. Es war weniger ein machiavellistisches Machtspiel als eben einfach Jobs. Es lag in seiner Natur, immer die Kontrolle haben zu wollen." Eine Redakteurin der Financial Times schrieb. "Mister Jobs hat eine Reihe früherer Apple-Kollegen dazu überredet, wieder in die Firma zurückzukehren, sie sagten, er habe deutlich gemacht, dass er das Ruder wieder übernehmen will. Der Aussage eines Vertrauten nach habe Jobs festgestellt, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass es Mister Amelio und seiner Gefolgschaft gelänge, Apple mit neuen Leben zu erfüllen, und er beabsichtige, sie abzulösen, um das Überleben 'seines Unternehmens' zu gewährleisten." (S.364).
Der "Abgang Amelios" wird dann noch bis S.379 geschildert und als großer Erfolg dargestellt. Dass Jobs Amelio lange im Unklaren ließ, auch.
"Mehr als 5000 Leute versammelten sich schon Stunden vorher, um [...] Jobs als Hauptredner zu hören. Sie alle kamen, um ihren heimgekehrten Helden zu sehen – und um herauszufinden, ob er wirklich bereit war, wieder ihr Anführer zu sein.
Tosender Beifall brach aus, als ein Bild von Jobs aus dem Jahr 1984 auf dem Bildschirm erschienen. 'Steve! Steve! Steve!', begann die Menge zu skandieren, während er noch angekündigt wurde. Als er schließlich auf die Bühne schlenderte – in schwarzer Weste, kragenlosem weißem Hemd, in Jeans und mit einem lausbubenhaften Lächeln im Gesicht –, waren das Kreischen und Blitzlichtgewitter eines Rockstars würdig. Zunächst zuerst dämpfte er die Aufregung [...]dann erläuterte er seine Rolle bei Apple. 'Ich habe mich mit einigen Leuten zusammen getan, die Apple wieder auf eine gesunde Basis stellen wollen.'
Aber als Jobs auf der Bühne auf und ab schritt und mit der Fernbedienung in der Hand, ein Bild nach dem anderen auf dem großen Bildschirm erscheinen ließ, wurde allen klar, dass er bei Apple jetzt das Sagen hatte – und dass das vermutlich auch so bleiben würde." (S. 379).
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