04 August 2010

Ausschnitte aus Rousseaus Bekenntnissen

Ich beginne ein Unternehmen, welches beispiellos dasteht und bei dem ich keinen Nachahmer finden werde. Ich will der Welt einen Menschen in seiner ganzen Naturwahrheit zeigen, und dieser Mensch werde ich selber sein.


Ich allein. Ich verstehe in meinem Herzen zu lesen und kenne die Menschen. Meine Natur ist von der aller, die ich gesehen habe, verschieden; ich wage sogar zu glauben, nicht wie ein einziges von allen menschlichen Wesen geschaffen zu sein. Bin ich auch nicht besser, so bin ich doch anders. Ob die Natur recht oder unrecht gethan hat, die Form, in der sie mich gegossen, zu zerbrechen, darüber wird man sich erst ein Urtheil bilden können, wenn man mich gelesen hat.

Möge die Posaune des jüngsten Gerichtes ertönen, wann sie will, ich werde mit diesem Buche in der Hand vor dem Richterstuhle des Allmächtigen erscheinen. Ich werde laut sagen: Hier ist, was ich gethan, was ich gedacht, was ich gewesen. Mit demselben Freimuthe habe ich das Gute und das Schlechte erzählt. Ich habe nichts Unrechtes verschwiegen, nichts Gutes übertrieben, und wenn ich mir etwa irgend eine unschuldige Ausschmückung habe zu Schulden kommen lassen, so muß man das meiner Gedächtnisschwäche zu Gute halten, um deren willen ich gezwungen war, hier und da eine Lücke auszufüllen. Ich habe als wahr das voraussetzen können, was meines Wissens wahr sein konnte, nie jedoch das, von dessen Unwahrheit ich überzeugt war. Ich habe mich so dargestellt, wie ich war, verächtlich und niedrig, wann ich es gewesen; gut, edelmüthig, groß, wann ich es gewesen: ich habe mein Inneres enthüllt, wie du selbst, o ewiges Wesen, es gesehen hast. Versammle um mich die unzählbare Schaar meiner Mitmenschen, damit sie meine Bekenntnisse hören, über meine Schwächen seufzen, über meine Schändlichkeiten erröten. Möge dann jeder von ihnen seinerseits zu den Füßen deines Thrones sein Herz mit dem gleichen Freimuth enthüllen, und schwerlich wird dann auch nur ein einziger wagen, zu dir zu sprechen: Ich war besser als jener Mensch! [..]


Rousseau berichtet über seine Eltern und fährt fort:

So waren die Urheber meiner Tage. Von allen Gaben, mit denen der Himmel sie ausgestattet hatte, ist ein gefühlvolles Herz, die einzige, welche sie mir hinterließen; während es aber für sie die Quelle des Glückes gewesen war, wurde es für mich die Quelle des Unglücks während meines ganzen Lebens.

[...] Ich erinnere mich nicht, was ich bis zu einem Alter von fünf oder sechs Jahren that. Ich weiß nicht, wie ich lesen lernte; ich entsinne mich nur noch meiner ersten Lectüre und wie sie auf mich wirkte; von dieser Zeit an beginnt mein ununterbrochenes Selbstbewußtsein. Meine Mutter hatte Romane hinterlassen. Wir, mein Vater und ich, fingen an, sie nach dem Abendessen zu lesen. Zuerst handelte es sich nur darum, mich durch unterhaltende Bücher im Lesen zu üben; aber bald wurde das Interesse so lebhaft, daß wir abwechselnd unaufhörlich lasen und selbst die Nächte bei dieser Beschäftigung zubrachten. Wir konnten uns nicht überwinden, vor Beendigung eines Bandes aufzuhören. Mitunter sagte mein Vater, wenn er gegen Morgen die Schwalben schon zwitschern hörte, ganz beschämt: »Laß uns zu Bette gehen, ich bin noch mehr Kind als du.«

Auf diesem gefährlichen Wege eignete ich mir nicht allein in kurzer Zeit eine außerordentliche Gewandtheit im Lesen und Auffassen an, sondern auch ein für mein Alter ungewöhnliches Verständnis der Leidenschaften. Während es mir noch an jedem Begriffe von den wirklichen Verhältnissen fehlte, hatte ich bereits einen Einblick in die Welt der Gefühle gewonnen. Ich hatte nichts begriffen, aber alles gefühlt, und die eingebildeten Leiden meiner Helden haben mir in meiner Jugend hundertmal mehr Thränen entlockt, als ich später über meine eigenen vergossen habe. Die unklaren Vorstellungen, die ich nach einander in mich aufnahm, konnten der Vernunft, die ich noch nicht hatte, zwar nicht schädlich sein, aber sie waren doch die Ursache, daß die meinige ganz eigenartig wurde, und brachten mir über das menschliche Leben höchst wunderliche und schwärmerische Begriffe bei, von denen mich Erfahrung und Nachdenken nie haben vollkommen heilen können.


1719 – 1723

Die Romane hatten wir bis zum Sommer 1719 ausgelesen. Der folgende Winter verschaffte uns Abwechselung. Da uns die Bibliothek meiner Mutter nicht mehr Neues bot, nahmen wir zu den Büchern unsere Zuflucht, die uns aus der Erbschaft ihres Vaters zugefallen waren. Glücklicherweise befanden sich darunter gute Bücher, und das ist leicht erklärlich, da sie zwar von einem Geistlichen, und noch dazu einem gelehrten, worauf man damals großes Gewicht legte, aber doch einem Manne von Geschmack und Geist angeschafft worden waren. Die Geschichte der Kirche und des deutschen Kaiserreichs von Le Sueur, Bossuets Vorlesungen über die allgemeine Weltgeschichte, Plutarchs Lebensbeschreibungen berühmter Männer, die Geschichte Venedigs von Nani, Ovids Verwandlungen, La Bruyère, die Himmelskörper von Fontenelle, seine Todtengespräche, sowie einige Bände von Molière wurden in das Arbeitszimmer meines Vaters hinübergebracht und täglich las ich ihm, während er sich seiner Beschäftigung hingab, daraus vor. Ich fand eine eigenthümliche und in diesem Alter vielleicht nie wieder vorkommende Freude daran. Besonders wurde Plutarch meine Lieblingslectüre. Der Genuß, mit dem ich ihn immer und immer wieder las, heilte mich ein wenig von den Romanen, und bald zog ich Agesilaos, Brutus und Aristides dem Orondates, Artamenes und Juba vor. Durch diese fesselnde Lectüre und die Gespräche, welche sie zwischen meinem Vater und mir hervorriefen, entwickelte sich in mir jener freie und republikanische Geist, jener unzähmbare und stolze Charakter, der, unfähig Unterjochung und Knechtschaft zu ertragen oder mit anzusehen, mich mein Lebenlang gefoltert hat, und noch dazu zumeist in Verhältnissen, die am wenigsten danach angethan waren, ihm Erfolg zu versprechen. [...]

Zwei auf dem Lande verlebte Jahre nahmen mir etwas von meiner römischen Schroffheit und verliehen mir wieder Kindlichkeit. In Genf, wo man mir nichts aufgab, arbeitete und las ich gern, und hatte daran fast meine einzige Freude; in Vassey flößten mir die vielen Arbeiten Lust zum Spielen ein, bei dem ich Erholung fand. Das Landleben war mir etwas so Neues, daß ich seiner Genüsse gar nicht müde werden konnte. Ich faßte für dasselbe eine so große Vorliebe, daß sie nie wieder völlig in mir erloschen ist. Die Erinnerung an jene glücklichen Tage, die ich auf dem Lande zubrachte, hat mich in jeder Lebenszeit bis zu der, welche mir die Rückkehr auf das Land wieder gestattete, mit Sehnsucht nach ihm und seinen Freuden erfüllt.

Mehr zu Rousseaus "Bekenntnissen":
Rolf Michaelis in der ZEIT
Besprechung in Blog
Text des Buches
Wikipedia (französisch)
Wikipedia (englisch)

02 August 2010

Not, Verzweiflung und Hoffnung in Südafrika

Das Buch „Kap meiner Hoffnung“ von Irina André-Lang vermittelt ein genaues Bild der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation in Südafrika und der Schrecken der Apartheid und bleibt trotz der Genauigkeit der Darstellung durchweg eine fesselnde Lektüre.

Wie gelingt es, die heutige Situation offen und schonungslos zu beschreiben, die katastrophalen Folgen der Verkennung der Gefahren durch Aids in aller Deutlichkeit darzustellen und dennoch die Überwindung der Apartheid als den großen Schritt zu Hoffnung, Entwicklung und Glück zu zeigen?
Im Mittelpunkt des Buches steht eine Frau, die in der Arbeit in Südafrika eine Lebensaufgabe, im Land Südafrika ihre große Liebe und in der Unterstützung Leidender, engagierter Helfer und hoffnungsfreudiger Kinder ihr Glück findet.
Am Anfang stehen ein Mädchen, das gern Puppen verarztet und eine Frau, die durch einen persönlichkeitsverändernden Gehirntumor ihren Mann verliert, aber in ihrem Beruf und ihrem Engagement gegen die Apartheid in Südafrika neuen Sinn findet.

Die schwierige Balance zwischen Subjektivität und notwendiger objektivierender Distanz wird dadurch versucht, dass durchweg aus der Ich-Perspektive dargestellt wird – dadurch entsteht die Möglichkeit unmittelbaren Mitvollzuges – und andererseits deutlich herausgestellt wird, dass der Text von einem von außen hinzutretenden Journalisten formuliert worden ist.

18 Juli 2010

Hunde oder Fußballer - über Identifikation zu Stolz, Angst und Feindschaft

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden, 7. Kapitel
(Hervorhebungen von Fontanefan)

"Hinter dem Waldsaum hervor erschien zu Pferd der Jäger, der an der Schlägerei beteiligt gewesen war; den Fuchs hatte er am Sattelriemen hängen; er ritt auf den jungen Herrn zu. Schon von weitem nahm er die Mütze ab und versuchte, respektvoll etwas zu sagen; aber er war blaß und außer Atem, und sein Gesicht hatte einen grimmigen Ausdruck. Das eine Auge war ihm blaugeschlagen; aber das wußte er wahrscheinlich gar nicht.
»Was habt ihr denn da gehabt?« fragte Nikolai.
»Na, so was! Er wird da unsern Hunden ihre Beute wegnehmen! Und gerade meine mausgraue Hündin hatte den Fuchs gegriffen. Komm an, wenn du Streit suchst! Er greift nach dem Fuchs. Ich schlage ihn dem Fuchs um die Ohren. Da hängt er am Sattelriemen. Aber den hier willst du wohl nicht kosten ...?« sagte der Jäger, indem er auf seinen Dolch wies; er hatte offenbar die Vorstellung, daß er immer noch mit seinem Feind spräche.
Ohne sich in ein weiteres Gespräch mit dem Jäger einzulassen, bat Nikolai seine Schwester und Petja, hier auf ihn zu warten, und ritt nach der Gegend hin, wo sich diese feindlichen Ilaginsche Jagdgesellschaft befand.
[...] Nikolai hatte Herrn Ilagin nie gesehen; aber da er es überhaupt nicht verstand, in seinen Ansichten und Gefühlen den Mittelweg innezuhalten, so haßte er ihn aufgrund der Gerüchte von seiner Frechheit und Eigenmächtigkeit von ganzer Seele und betrachtete ihn als seinen ärgsten Feind. In zorniger Erregung ritt er jetzt zu ihm hin, die Hand fest um den Griff der Hetzpeitsche pressend und völlig bereit, gegen seinen Feind in der energischsten Weise vorzugehen. [...] Statt eines Feindes fand Nikolai in Herrn Ilagin einen stattlichen, höflichen Herrn, der den lebhaften Wunsch hegte, die Bekanntschaft des jungen Grafen zu machen. [...]
Rostow war besonders von der Schönheit einer kleinen rotgescheckten Hündin in Ilagins Koppel überrascht. Es war dies ein Tier von reiner Rasse, schmal gebaut, aber mit stählernen Muskeln, mit feiner Schnauze und vorstehenden, schwarzen Augen. Er hatte von dem feurigen Temperament der Ilaginschen Hunde gehört und sah in dieser schönen Hündin eine Rivalin seiner Milka.
Mitten in einem soliden Gespräch über die diesjährige Ernte, welches Ilagin angeknüpft hatte, zeigte Nikolai auf die rotgescheckte Hündin.
»Da haben Sie eine schöne Hündin!« warf er lässig hin. »Ist sie schneidig?«
»Die? O ja, das ist ein braves Tier, fängt gut«, antwortete Ilagin in gleichgültigem Ton mit Bezug auf seine rotgescheckte Jorsa, für die er im vorigen Jahr seinem Nachbar drei Familien [408] Leibeigene gegeben hatte. »Also bei Ihnen, Graf, ist der Erdrusch auch nicht zu rühmen?« fuhr er in dem begonnenen Gespräch fort. Da er es aber für ein Gebot der Höflichkeit hielt, dem jungen Grafen mit gleicher Münze zu zahlen, so musterte Ilagin dessen Hunde und wählte Milka aus, die ihm durch ihren breiten Körperbau in die Augen fiel.
»Eine schöne schwarzgescheckte haben Sie da; vortrefflich gebaut!« sagte er.
»O ja, es geht, sie jagt ganz gut«, antwortete Nikolai. Und im stillen dachte er: »Es sollte nur hier auf dem Feld ein tüchtiger Hase laufen, dann würde ich dir schon zeigen, was das für ein Hund ist!« Und sich zu dem Leibjäger umwendend, sagte er, er werde demjenigen einen Rubel geben, der einen liegenden Hasen auffinde.
»Es ist mir unbegreiflich«, fuhr Ilagin fort, »wie manche Jäger einander um das Wild oder um ihre Hunde beneiden können. Ich will Ihnen sagen, Graf, wie es in dieser Hinsicht mit mir selbst steht. Sehen Sie, mir macht es schon Vergnügen, nur so einen Ritt zu machen; da trifft man dann solche angenehme Gesellschaft ... was kann man sich Schöneres denken?« (Er nahm wieder vor Natascha seine Bibermütze ab.) »Aber daß ich die Felle zählen sollte, die ich nach Hause bringe, nein, das ist mir völlig gleichgültig!«
»Ja, gewiß.«
»Oder daß ich mich gekränkt fühlen sollte, wenn ein fremder Hund das Wild greift, und nicht meiner ... Ich will mich ja doch nur an dem Anblick der Hetze erfreuen; nicht wahr, Graf? Darum bin ich der Ansicht ...«
[...]
»Ja, wir wollen hinreiten ... Was meinen Sie, wollen wir zusammen hetzen?« antwortete Nikolai und warf einen Blick auf Jorsa und auf des Onkels roten Rugai, zwei Rivalen, mit denen er noch nie Gelegenheit gehabt hatte seine Hunde konkurrieren zu lassen. »Aber wenn sie nun meiner Milka eine böse Niederlage bereiten?« dachte er, als er jetzt neben dem Onkel und Ilagin nach der Stelle hinritt, wo der Hase lag."

Graf Nicolai Rostow (der Bruder von Natáscha, der ungekrönten weiblichen Heldin aus Krieg und Frieden) identifiziert sich mit seinen Hunden, sieht ihre Jagdergebnisse als die seinen an und den, der sie ihm streitig machen könnte, als Feind. Ilagin ist nicht so passioniert, sieht in der Jagd nur eine Unterhaltung, doch hat auch er für eine Hündin als Bezahlung mehrere Familien seiner Leibeigenen hergegeben. Die Ähnlichkeit zum FC Chelsea mit Michael Ballack, den sich der russische Milliardär Roman Abramowitsch leistet, drängt sich auf. Für Schewtschenko zahlte er sogar 50 Millionen Euro. (Was ist ein Mensch wert, was ein Leibeigner, was ein Fußballer? Da wird man doch unterscheiden dürfen, oder etwa nicht?)
Wie gut haben wir Normalbürger es, dass wir anlässlich der Fußballweltmeisterschaft - wie die russischen Aristokraten und Oligarchen - so teure Zucht-, Verzeihung, Trainingsprodukte für uns kämpfen lassen können und uns am Körperbau eines Thomas Müller oder Bastian Schweinsteiger erfreuen dürfen, auch wenn uns vielleicht leise Angst beschlich, dass uns Messi die Beute wegschnappen könnte! Wie gut, dass dann die Spanier gewonnen haben, die nur aufgrund der Mannschaftsleistung erfolgreicher waren, und wir die Identifikation mit unseren - teuer bezahlten - Stars nicht aufzugeben brauchten.
Ja, in der Champions League, da kämpfen sie für ihre Besitzer, doch bei der Fußballweltmeisterschaft, da gehören sie einige Wochen lang uns, und wir können sie für uns kämpfen lassen: Miroslav, Podolski, Cacau und Mesut. Und Angela Merkel kann zu Recht ihren Schauspielern applaudieren, dass sie so schön von Kopfpauschale und Hartz IV - Kürzungen ablenken.

09 Juli 2010

Enthaltsamkeit und unsterbliche Liebe, Wiedergeburt christlicher Sexualmoral des 19. Jh. in der Twilight-Saga

Edward Cullen und Isabella Swan, ein Mann, der seine Triebe beherrscht, eine junge Frau, die ihm gehören will. Die Story, die 2005 in den USA als Jugendbuch erschien, ruft die Werte der Sexualmoral des 19. Jahrhunderts zurück und Millionen Leserinnen sind fasziniert.
Der deutsche Titel des ersten Bandes der Tetralogie "Bis(s) zum Morgengrauen" sprach mich nicht an, als ich in der Schulbibliothek ein Exemplar zurückstellte, die theologische Einordnung im neusten Heft von Publik Forum sprach mich an. Anders als in Harry Potter, der ebenfalls von Leben, Tod, dem Bösen und seiner Überwindung handelt, tritt hier freilich die Faszination von Enthaltsamkeit in den Mittelpunkt. Theresia Heimerl schreibt in Publik Forum:
Provokant ist auch die ewige Treue, die hier wieder zum Ideal wird: Mehrfach wird die Liebe von Bella und Edward von verschiedenen Seiten bedroht. Die Versuchung einer anderen Beziehung ist ebenso groß wie die Angst vor der ungleichen Partnerschaft. Dennoch bleiben die beiden zusammen und besiegeln ihre Liebe mit einer in der Hochzeitsnacht entstandenen Schwangerschaft, die trotz Lebensgefahr für die werdende Mutter nicht abgebrochen wird. So viel christliche Sexualmoral hat die Zielgruppe der jungen Frauen im gesamten Religionsunterricht ihres Lebens noch nicht rezipiert.
Mir scheint konsequent, dass Stephenie Meyer den Anfang diese Geschichte in Twilight aus der Sicht Isabellas, kurz Bella, erzählt. Bisher kenne ich sie aber nur aus der Sicht Edwards (inzwischen ist diese Fassung nicht mehr im Netz zu finden). Meyer dachte daran, die Story aus wechselnden Perspektiven zu erzählen, gab das aber wieder auf, nachdem Teile ihrer Entwürfe unberechtigt ins Netz gelangt waren.

Die Version aus Edwards Sicht (hier die englische Version, die das Webarchiv vom 21.4.2009 noch zur Verfügung hält) klang ein wenig primitiv. (Vielleicht hat der Meyer diese Version deshalb nicht durchgehalten. Später hat wohl der Verlag sie ganz aus dem Netz entfernt.[2026]) Wenn meine nächste Bibliotheksaufsicht mir die Zeit lässt, werde ich versuchen, mir die Faszination von Roman und Film (am 30.6. ist die Verfilmung des 3. Bandes angelaufen) besser zu erklären. (2026: Offenbar ist es mir 2010 und auch danach nicht gelungen.)

14 Juni 2010

Matilda

Roald Dahls Erstklässlerin leidet unter schrecklichen Eltern wie Harry Potter, doch es sind ihre leiblichen. Sie hat die Kraft, sich zu wehren, doch ohne Zauberei, nur mit Intelligenz. Sie trifft auf eine makellos schöne Lehrerin, die Karikatur einer dummen Blondine, doch die erkennt Matildas Begabung und setzt sich für sie ein. Matilda trifft auf einen formidablen Gegner, vor dem alle zittern. Doch der ist kein Zauberer, sondern ein Verschnitt aus Uwe Beyer und Magaret Thatcher. Matildas Schulleiterin hat sich als Hammerwerferin ins Kinderschleudern eingeübt und ist von mythischer Aggressivität, doch fürchtet sie die Schulaufsicht, Recht und Gesetz.
Da entdeckt Matilda ihre Zauberkraft, fernhinwirkend wie Oskar Matzerath, doch übt sie sie nicht an Glasscheiben, sondern an Kreide und Schultafel.

Bleibt nur die Frage: Kannte Dahl nur die Bibel oder auch schon Heine?

03 Juni 2010

Max Frisch: Tagebuch 3

USA: "Ausbeutung ist hier kein Wort, dafür haben sie hier ein anderes: KNOW HOW."

"Ihr Lieblingswort: POWER. [...] Ohne das geht es nicht einmal im Kunsthandel. MONEY? Das ist das anspruchslosere Synonym. Das ethische Synonym: LIBERTY."

28 April 2010

Entdecker und Erfinder

Johannes Catt ist stumm. Als er in der Schule scheitert, erklärt ihm sein Vater warum.

Seitdem lebt Johannes mit vier Brüdern. Vor allem einer hilft ihm gegen Mobbing-Atacken.

Walter Fornemann ist Entdecker. Er entdeckt den Klavierspieler Catt und er entdeckt den Schriftsteller Catt. Er übernimmt auch für beide die Promotion.

Doch zuvor muss Johannes sich finden und erfinden. Dazu verhilft ihm sein Vater.

Ganz stark ist der Stummfilmteil des Romans "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil, der hier in seiner Buchvorstellung und hier, im Hörbuch, diesem Johannes seine Stimme leiht.

"Die Geschichte ist völlig autobiographisch [...] andererseits ist es ein Roman" meint Ortheil.
Er lehrt inzwischen Schreiben, hier nimmt er an einer Diskussion über das Schreiben eines Romanes teil.

Ich gönne den Roman vielen Lesern. - Noch bin ich freilich etwas unsicher in meinem Urteil über seinen zweiten Teil. Zu sehr scheint er mir Autobiographiefiktion. Und irgendwie lebt der erste Teil so sehr von seiner Authentiziät - die aus Ortheils Lebensgeschichte belegt ist, dass mir der nomalere, romanhafte Umgang mit dem Stoff, der in den Schnitten der beiden römischen Zeiten deutlich wird, schwächer erscheinen will.

Am Schluss des Romans gibt Marietta ein Konzert und bietet Johannes das Podium für sein großes Konzert, das ihm Jahrzehnte zuvor durch eine Sehnenscheidenentzündung vorenthalten wurde.
Ist mir das zu theatralisch?