10 August 2021

Schullektüren in meiner Schulzeit

  Von Herrn Rau angestoßen hier einige Notizen:

Mittelstufe: Die schwarze Spinne, Wilhelm Tell, Keller: Kleider machen Leute, Romeo und Julia auf dem Dorfe
Gedichte: Keller: die öffentlichen Verleumder (hochaktuell), Heym: Der Krieg
Oberstufe: längere Auszüge aus dem Nibelungenlied, Walther von der Vogelweide als anspruchsvollstes ‘Owe war sind verswunden …’ Wallenstein und vor allem: Faust II, jede Zeile im Unterricht vorgelesen und besprochen. (Dazu wäre noch viel mehr zu sagen.)

INHALTSANGABEN habe ich damals geschrieben zu:

 Hofmannsthal: Jedermann, Keller: Das Fähnlein der 7 Aufrechten, Britting: Das Waldhorn, Der Eisläufer, Der Sturz in die Wolfsschlucht, Hauptmann: Die Weber, Wallenstein, Faust I und II.
Gelesen noch: Stifter: Der beschriebene Tännling, vermutlich auch Bergkristall und Brigitta. Und natürlich Lesebuchtexte: Jean Paul: Rede des toten Christus, Kleist: Marionettentheater, Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden; als Volltext: Michael Kohlhaas, Erdbeben von Chile, Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege, Hebel: Das Erdbeben von Falun. Schiller: Das verschleierte Bild zu Sais. Bei anderem bin ich mir nicht so sicher, ob nur häusliche Lektüre oder Schullektüre. – Die erwähnten Gedicht wurden natürlich alle auswendig gelernt. Das verschleierte Bild zu Sais konnte ich zumindest bis in meine Lehrerzeit noch ziemlich sicher, jetzt nur noch mit großen Lücken. – Und woher stammt: “Ich bin nur durch die Welt gerannt …”? Denn natürlich wurden damals nicht nur Gedichte und Passagen aus Wilhelm Tell auswendig gelernt. “Die Glocke” freilich auch nur passagenweise.
Bürgschaft und Kraniche des Ibikus sicher noch vollständig. Wohl auch Mörikes Feuerreiter. Habe ich den Prometheus aus Pflicht oder freiwillig gelernt? Den konnte ich noch jahrzehntelang. 

Natürlich Macbeth und allerlei englische Kurzgeschichten.

(Abitur-Jahrgang 1963)

Imponiert hat mir mein Sohn, der von der Odyssee die ersten 70 Verse auf Griechisch auswendig gelernt hat. Der war nicht so verweichlicht wie ich mit meinen kümmerlichen französischen und englischen Gedichten.

Bemerkenswert auch die Kommentare zu Herrn Raus Beitrag

Einen eigenen Blogbeitrag zum Thema geschrieben hat: Poupou 

Ein sehr engagierter Beitrag von Dirk Franke (Benutzer:Tolanor), der erlebt hat, dass gerade anspruchsvolle Texte ganz außerhalb seiner Erlebniswelt seinen Bildungswillen angestachelt haben (freilich auch die besondere Lehrperson mit ihrem Engagement). 

Schullektüren in der DDR:

Timur und sein Trupp

Dieter Noll: Die Abenteuer des Werner Holt

Bruno ApitzNackt unter Wölfen

(Abitur 1994 in Sachsen und damit Lektüre im “alten” wie im für uns “neuen” Schulsystem:
“Wie der Stahl gehärtet wurde” – das las die DDR über Jahrzehnte hinweg in Klasse 8 und damit m.E. viel zu früh
“Käuzchenkuhle”
in Klasse 11 Hochhuths “Stellvertreter”

Sieh auch:

Liest Ihr Kind? ZEIT 19.8.21 (Von )

1 Kommentar:

Walter Böhme hat gesagt…

Ergänzung in Kommentar bei Herrn Rau:
Abi 2010 in Niedersachsen – aber als gesamte Klasse die 8. übersprungen (hieß wunderschön „Turboklasse“).
in ungefährer chronologischer Reihenfolge in Deutsch ab der 5. Klasse bis LK, ohne hoffentlich zu viel zu vergessen

– Ben liebt Anna
– Die Reise zur Wunderinsel
– Damals war es Friedrich
– Rückwärts ist kein Weg
– Die roten Matrosen (fand ich damals schon toll!)
– Der Richter und sein Henker (im Unterricht gar nicht verstanden, später gut gefunden)
– Der gute Mensch von Sezuan
– Antigone
– homo faber
– Die Ratten
– Hauptmann von Köpenick
– Die Leiden des jungen Werther
– Geschichten aus dem Wiener Wald (großartig!)
plus diverse Gedichte, Parabeln und Fabeln
in Englisch ab der 11. und dann im LK
– dead poets society (super!)
– A star called Henry (wahnsinnig langweilig)
– brave new world
– to kill a mockingbird

in Französich in der 9. oder 10.
– un semaine a cap maudit (keinerlei Erinnerung, nur dass wir alle Illustrationen bekritzelt haben und das franz. Wort für Schamhaar)