09 Januar 2023

Günter Wallraff Industriereportagen 1970

 Eine Lektüre nach Jahrzehnten beeindruckt mich doppelt: einerseits durch die Strapazen, die Wallraff für seine Arbeit vor Ort auf sich nahm, andererseits durch die umfangreichen Recherchen, die er im nahen Umfeld dieser Arbeit vor Ort unternommen hat.

Schließlich erschreckt mich, obwohl ich die Reportagen damals gelesen habe, wie unzumutbar die Arbeitsbedingungen waren, due er damals beschrieben hat. Man kann nur hoffen, dass Arbeitsschutzbestimmungen heute die ärgsten Auswüchse verhindern.

Aber wenn man an den Arbeitskräftemangel in manchen Arbeitsfeldern und das Interesse von Arbeitgebern an mehr Zuwanderung mitverfolgt, nährt das den Verdacht, dass die Ablehnung von Einwanderung bei manchen Berufsgruppen damit zusammenhängen könnte, dass man eine Konkurrenz von Flüchtlingen scheut, die sich unbegrenzt ausbeuten lassen, nur um im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen (Beispiel: Paketboten). Ähnliches deutet Wallraff schon damals an, als er auf die Zwickmühle von Immigranten verweist, die eine Arbeitserlaubnis nur bei Nachweis eines festen Wohnsitzes erhielten und eine Wohnung nur bei Nachweis einer Arbeitsstelle. Wallraff berichtet davon, dass Obdachlose sich mit fiktiven Adressennachweisen (z.B. bei Verwandten) sich mühten, in den Arbeitsmarkt zu kommen.

Originalausgabe: Wir brauchen dich. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben. Mit einem Nachwort von Christian Geissler. Rütten und Loenig, München 1966

Dazu auch:

https://www.bookpedia.de/buecher/Industriereportagen._Als_Arbeiter_in_deutschen_Gro%C3%9Fbetrieben 2020

Sieh auch:

Hörbuch bei Perlentaucher: https://www.perlentaucher.de/buch/guenter-wallraff/ich-der-andere.html

Günter Wallraff  '13 unerwünschte Reportagen' hatte ich vor über 50 Jahren gelesen.



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