09 Juli 2018

J. D. Vance: Hillbilly Elegie: Bevölkerungswanderung von den Appalachen nach Norden

Sicher ist aber, dass Millionen von Menschen auf diesem  "Hillbilly Highway" unterwegs waren ein metaphorischer Ausdruck, der die Perspektive der Nordstaatler einfängt: ihren Eindruck, dass ihre Städte und Dörfer von Menschen wie meinen Großeltern überschwemmt wurden. Das Ausrnaß der Bewegung war gigantisch . In den fünfziger Jahren verließen dreizehn von hundert Bewohnern von Kentucky den Staat. [...]
Ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung eines ganzen Landstrichs machte sich auf den Weg nach Norden. Noch Beweise gefällig? Fahren Sie am Tag nach Thanksgiving oder Weihnachten in Kentucky oder Tennessee auf die Autobahn Richtung Norden, und Sie werden sehen, dass beinahe alle Nummernschilder aus Ohio, Indiana oder Michigan sind .Die Autos sind voller verpflanzter Hillbillys, die nach den Feiertagen nach Hause zurückkehren. Mamaws Familie nahm an dieser Auswanderungsflut begeistert teil. (S.38/39)
Aber wenn Mamaw und Papaw auch von ihrer Familie getrennt waren, so waren sie doch keineswegs von der Bevölkerung der Stadt getrennt. Die meisten Einwohner der Stadt waren zugezogen , um in den neuen Fabriken zu arbeiten, und die Mehrheit dieser neuen Arbeiter kam aus den Appalachen. Dass die Anwerber sich die Familienstrukturen zu nutze machten, hatte den erwünschten Effekt; die Ergebnisse waren vorhersehbar. Im gesamten Mittleren Westen entstanden förmlich über Nacht neue Gemeinschaften von Urnsiedlern aus den Appalachen. Wie eine Studie festhält: "Migration hat die Wohnviertel und Familien nicht so sehr auseinander gerissen, sondern eher verfrachtet." In den fünfziger Jahren in Middletown fanden sich meine Großeltern in einer Situation wieder, die neu und vertraut zugleich war. Neu, weil sie zum ersten Mal vom weiteren Umfeld in den Appalachen, das sie bisher gestützt hatte, getrennt waren; vertraut, weil sie immer noch von Hillbillys umgeben waren." (S.40)
J. D. VanceHillbilly Elegie, 2017

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